Warum dieser Tansu mein "Stellvertreter" wurde

Im vorherigen Beitrag habe ich dieses Möbel gezeigt.

Nicht mal als Objekt, sondern als "Stellvertreter".

Was es für mich bedeutet, lässt sich nur umständlich erläutern.

Ich versuche es:

Es beginnt früher, in meinen Kindertagen.

 

Manche Dinge entstehen nicht aus einem Plan, sie sind schon lange da.

Bei mir war das "Fremde" früh präsent, wie ein leiser Ruf.

 

Da war das Bild meines Großvaters:

Ein hochformatiges Blatt, schlicht gerahmt.

Ein Vogel auf einem bizarren Ast, gemalt in asiatischer Anmutung.

Es hing bei uns im Wohnzimmer. Es war einfach da. Ich war noch klein und

bewunderte es. Der gelbe Hintergrund zog mich an.

Es erzeugte in mir eine unerklärliche Sehnsucht nach Ferne.

 

Später kam ein zweites Bild hinzu – im Kino.

"20.000 Meilen unter dem Meer" nach Jules Verne.

Die Dramaturgie faszinierte mich, aber diese Figur: der Harpunier Ned Land.

Frei und unangepasst war er. Mit dem Blick auf das freie Leben, nicht auf Regeln.

Ich glaube, dort gab ich mir die Erlaubnis, auch so zu sein.

Später führte mich das tatsächlich zur See-

als unwahrscheinliche, aber doch gelebte Wirklichkeit.

 

Viele Jahre danach, in einer Phase intensiver Arbeit als Tischler, mit der NODUS-Verbindung,

kam all das zurück – ohne sich aufzudrängen - in dankbaren Erinnerungen.

Es entstand dieses Möbel - es musste einfach entstehen:

Der hochkant stehende Quader aus Ulmenholz - stark und eigenwillig.

Geölter, schwarzer Schiefer – Stein, Material, das ich fast so sehr schätze wie Holz.

Die Front aus Libanon-Zeder, asymmetrisch gegliedert.

Schübe in unterschiedlicher Größe. Türen in asiatischer Machart.

Der offene Bereich – nicht zum Verstecken, sondern zum Zeigen.

Dort steht eine große Raku-Vase.

Glatt in der Oberfläche, mit dem zugfälligen Krakelee in der Glasur.

Sie stammt von einem Menschen, der mir nahe war

und leider im letzten Jahr verstorben ist. (Joachim Lambrecht)

Auch eine Teeschale von ihm halte ich in Ehren.

Mehr muss dazu nicht gesagt werden.

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Dieses Möbel, der Tansu, steht gegen Gleichgültigkeit, gegen das unendlich Wiederholbare.

Für das Werk der Hand.

Nicht laut, nicht demonstrativ.

Er zeigt sich – und steht souverän in unserem Wohnzimmer.

Präsent, aber nicht dominant.

So, wie ich mich selbst gern im Raum fühle, fühlen würde....

Hinter den Türen bewahre ich Bücher auf,

die mir wichtig sind, die nicht einfach in ein Regal gestellt gehören.

In den kleinen Schüben liegen Andenken.

Dinge, die an bestimmte Menschen oder Ereignisse erinnern.

Dieses Möbel ist mehr als ein Aufbewahrungsort.

Eher ein stiller RAUM..

Ein Schrein, würde man in Asien sagen.

Nicht zum Verehren, sondern zum Bewahren.

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Ich habe so etwas nie wieder gebaut, und ich werde es auch nicht tun.

Nicht, weil es nicht in Etwa möglich wäre, 

sondern weil ein Stellvertreter kein Produkt ist.

Er ist für mich einmalig.

Ich sehe dieses Möbel täglich, wenn schnellen Schrittes zum Büro an ihm vorbeikomme.

Und jedes Mal ist da so ein unsichtbares Zu-nicken.

Ich sitze ihm jetzt gerade gegenüber und habe ein kleines Lächeln für ihn.

Er vertritt mich heute, noch genauso wie früher.

So ist es. Dieser Stellvertreter ist zu meinem Freund geworden.