Jetzt ist es dran.
Der Moment, an dem Nicht-Handeln nicht mehr geht.
Es gibt einen Punkt, an dem man nicht mehr abwägt, nicht mehr überlegt und nichts mehr liegen lässt. Nicht, weil plötzlich alles klar wäre, sondern weil Nicht-Handeln auf einmal teurer wird als Handeln. Diesen Punkt habe ich in den letzten Wochen mehrfach erlebt. Nicht geplant, sondern als Folge davon, dass ich bei einer Sache nicht weitergemacht habe, sondern verharrt bin.
Manchmal lohnt es sich, länger bei einer Sache zu bleiben. Nicht aus Romantik oder Verträumtheit, sondern bewusst/ unbewusst. In diesem Jahr habe ich schon mehrere Blogbeiträge geschrieben, die so nicht geplant waren. Sie sind nicht in sich abgeschlossen, sondern bauen aufeinander auf. Nicht aus Absicht, sondern weil ein Gedanke den nächsten nach sich gezogen hat.
Es begann beim Doppelkeil (Tetraeder aus Holz), einer einfachen, archaischen Form, die mir zunächst als Grundform für Zubehör zur Shakerleiste diente. Von dort führte der Weg zum Oloid, einer Form, die Bewegung zulässt. Und von dort – unerwartet – weiter zu einer Frage (beim "Stellvertreter"), die nicht handwerklich ist, sondern existenziell: Warum?
Wer dauernd begründen muss, kennt diese Ermüdung. Warum so, warum nicht anders, warum jetzt? Kinder haben oft DIE eine Antwort parat, die diesen Knoten schlagartig durchschlägt: "Darum." Kein Trotz, kein Begründen, sondern ein Punkt mit kleinem Lächeln.
Seitdem sehe ich diese beiden Pole überall: Warum und Darum, Zögern und Handeln, Nicht-Tun und Tun. Und ich finde sie wieder, überraschend klar, besonders in der Gestalt des Oloids - Der körperlichen Polarität.
Gedanklich kann man in diese Form hineingehen, zwischen zwei Pole, in eine neutrale Zone, in der nichts begründet werden muss. Kein Rechtfertigen, kein Entscheiden, kein Müssen, Stillstand. Dieser Zustand ist nicht lange zu halten. Er ist kein Ziel. Aber er ist ein Kipp-punkt. Denn aus dieser Mitte fällt man zwangsläufig wieder heraus, zurück ins Handeln, zurück ins Leben, in die Polarität.
In der Praxis ist das nicht romantisch. Wenn ich einen Auftrag habe, ziehe ich ihn durch – mit Termin und Verantwortung. Da bleibt nichts liegen. Aber es gibt andere Arbeiten, ohne Auftrag, ohne äußeren Druck. Ein Beispiel: Vor Jahren habe ich für meinen Sohn eine kleine “Sea-chest” gebaut, eine tragbare Kiste für ein wertvolles Teeservice, gedacht für ein bewegliches Leben. Das Modell stand lange in meiner Werkstatt. Sehr lange. Ich habe es gesehen, ignoriert, wieder gesehen und daneben weitergearbeitet. Bis zu dem Moment, an dem klar war: Jetzt geht Nicht-Tun nicht mehr. Kein neuer Gedanke, kein besserer Plan – nur dieser innere Kipppunkt. Dann ging alles schnell, konsequent und ohne Zweifel.
Heute weiß ich, was das war. Es war kein Warten auf den perfekten Zeitpunkt, sondern ein Zögern vor dem ersten Schritt. Und genau dieser erste Schritt ist der schwierigste. Nicht das Durchhalten, nicht das Fertigwerden – das Anfangen. Diesen Punkt kennt jeder: vor dem Anruf, vor dem Gespräch, vor dem Bekenntnis, vor der schwierigen Arbeit oder Entscheidung. Das ist praktisches Mattering. Nicht als Methode, sondern als Moment. Der Moment, an dem man innerlich sagt: Jetzt ist es dran.
PS:
Vielleicht
gibt es auch in deinem Alltag etwas, das schon zu lange „fast fertig“ ist. Nicht, weil dir die Zeit fehlt, sondern weil du den ersten Schritt immer wieder verschiebst. Dann
geht es nicht um Motivation, nicht um Planung und nicht um Mut, sondern um diesen einen Punkt: Jetzt oder nie. Wenn du ihn erreichst, erledigt sich vieles von selbst. Und wenn nicht, kostet
es mehr, als du denkst.








