56 Shaker-Möbel für ein Holzhaus im Wallis

 

Im Jahr 2023 habe ich einen Auftrag ausgeführt, der auch nach über vierzig Jahren Werkstattarbeit nicht alltäglich war. 

Für ein altes, denkmalgeschütztes Holzhaus in Kippel im Kanton Wallis/ Schweiz, entstanden insgesamt 56 Möbel im Shakerstil. Das Haus steht im alten Ortskern, nahe der Kirche. Ein Lärchenholzhaus, wie man es in dieser Gegend kennt: dunkel, kräftig, mit Geschichte in den Balken und Wänden. 

Die Eigentümer hatten das Haus gekauft und mit großer Sorgfalt saniert. Nicht schnell, nicht oberflächlich, sondern denkmalgerecht. Es ging nicht darum, aus einem alten Haus etwas Modisches zu machen. Es sollte wieder bewohnbar, für die ganze große Familie nutzbar werden, ohne seinen Charakter zu verlieren. 

Für die Einrichtung suchten sie keine Möbel von der Stange. Außer Küchen und Bädern sollte das Haus mit Möbeln nach dem Gusto der Shaker von mir ausgestattet werden.

Ein Haus, das keine modische Möbel braucht 

Alte Holzhäuser haben eine eigens Flair. Besonders dort, wo das Holz dunkel ist, die Räume nicht sehr hoch sind und die Geschichte des Hauses spürbar bleibt. 

In so einem Haus dürfen Möbel nicht zusätzlich schwer sein oder wirken. Sie müssen sich einfügen, aber sie dürfen auch nicht verschwinden. Sie müssen dienen, ordnen, Licht bringen und trotzdem stark genug sein für den täglichen Gebrauch. 

Darum fiel die Wahl auf Esche. 

Esche ist hell, freundlich und lebendig. Sie reflektiert Licht und bringt Leichtigkeit in Räume, die durch gealtertes Lärchenholz schnell dunkel wirken können. Zugleich ist Esche hart und strapazierfähig. Für Möbel, die nicht nur angeschaut, sondern täglich benutzt werden, ist das wichtig (besonders auch bei Stühlen). 

Der helle Ton der Esche stand in einem guten Kontrast zum alten Lärchenholz des Hauses. Nicht als Bruch, sondern als Ausgleich. 

Möbel aus der Werkstatt Seeland

Am Ende entstanden 56 Möbel. 

Darunter waren zwölf Betten, mehrere Tische, Liegen, 30 Sitzmöbel, Schränke, Küchen- Schreib- und Arbeitstische,

kleinere Möbel und Shakerleisten. 

Besonders wichtig waren nicht einzelne, sondern eigentlich alle Möbel, die dann auf 4 Etagen plaziert wurden.

Die Schränke wurden im Shakerstil gestaltet und konstruiert: klare Fronten, asymmetrische Aufteilung, keine unnötige Zier. Sie mussten zum Feeling im Haus passen, aber auch zur niedrigen Raumhöhe. Also keine wuchtigen Möbel, die sich in den Vordergrund drängen, sondern Schränke mit (Augen-)Maß. 

Auch die Shaker-Esstische spielten eine zentrale Rolle. Tische sind in einem Haus bedeutungsvolle  Möbel. An ihnen wird gegessen, gesprochen, gearbeitet, geplant. Ein guter Tisch muss standhalten können — nicht durch Schwere, sondern durch Konstruktion, Proportion und Gebrauchstauglichkeit. Auch seine Schönheit sollte "nicht unter den Tisch fallen"

Alle Möbel wurden in meiner Werkstatt gefertigt. Stück für Stück. Über gut ein halbes Jahr. 

Das war einer der größten Einzelaufträge meiner Werkstatt, den ich dann auch zügig durchgezogen habe 

Shaker-Möbel für ein Schweizer Holzhaus 

Shaker-Möbel passen nicht deshalb in ein altes Haus, weil sie historisch aussehen. Das wäre zu wenig. 

Sie passen, weil sie eine Haltung mitbringen: Klarheit, Ordnung, Nützlichkeit, handwerkliche Ehrlichkeit und eine eigene Geschichte. Ein Shaker-Möbel muss nichts beweisen. Es muss funktionieren, gut gebaut sein und im Raum erfreulich wirken. 

Gerade in einem denkmalgeschützten Haus ist das wichtig. Man kann alte Räume mit Möbeln schnell überladen. Man kann sie aber auch zu leer und museal wirken lassen. 

Hier ging es um einen anderen Weg: Möbel, die neu sind, aber nicht fremd wirken. Möbel, die aus heutiger Werkstattarbeit kommen und trotzdem Respekt vor dem alten Haus haben und aus ihrer Bauweise heraus noch viel Licht "durchlassen".

Oberfläche und Gebrauch 

Die Möbel wurden mit einem Schweizer Oberflächenmittel behandelt. Auch das passte wieder gut zu diesem Auftrag. 

Die Oberfläche sollte nicht empfindlich oder künstlich wirken. Sie musste gebrauchstauglich, nachpflegbar sein. Ein Haus wie dieses ist kein Ausstellungsraum. Es wird bewohnt. Betten werden benutzt, Tische abgewischt, Stühle bewegt, Schubladen geöffnet, Türen geschlossen. 

Also: Ein Möbel ist für mich nicht fertig, wenn es gut aussieht. Es muss im Alltag bestehen, benutzt werden können und nach Jahren noch seinen Platz haben. 

 

Lieferung ins Wallis 

Nach gut einem halben Jahr waren die Möbel fertig. Die Umbauarbeiten am Haus waren inzwischen so weit abgeschlossen, dass geliefert werden konnte. 

Wir sind zweimal mit Fahrzeugen in die Schweiz gefahren und haben die Möbel nach Kippel gebracht. Die Verzollung wurde gemeinsam mit einer hier ortsansässigen Spedition vorbereitet. Die Unterlagen wurden erstellt, die Ware angemeldet, der deutsche und der schweizerische Zoll passiert. Erst danach ging die Fahrt weiter ins Wallis. 

Das klingt nüchtern, aber es ist ein wichtiger Teil solcher Aufträge. 

Wer Möbel in die Schweiz liefert, muss nicht nur gute Möbel bauen. Verpackung, Transport, Ausfuhr, Einfuhr und Verzollung müssen ebenso sauber vorbereitet sein. Sonst entsteht Unsicherheit. Und Unsicherheit passt nicht zu hochwertigen Aufträgen. 

Für diesen Auftrag habe ich die Lieferung noch selbst begleitet. Künftig wird der Transport größerer Möbel in die Schweiz in der Regel über eine Spedition laufen. Der Kunde soll dadurch keinen zusätzlichen Aufwand haben; der Ablauf wird vorab besprochen. Die Möbel werden dafür entsprechend sicher verpackt, bei Bedarf in widerstandsfähigen Kisten. So bleibt der Ablauf klar, ohne dass ich jede Lieferung selbst fahren muss - ich arbeite derweil lieber weiter. 

Ein gutes Miteinander 

Die Eigentümer waren vorher bei uns in der Werkstatt. Wir haben gesprochen, beraten, geplant und die Preise geklärt. Danach wurde der Auftrag erteilt und ich konnte mit der Fertigung beginnen. 

So ein Auftrag entsteht nicht per Maus-Klick. Er braucht Vertrauen auf beiden Seiten. 

Die Kunden mussten darauf vertrauen können, dass ich die Möbel so baue, wie es der Aufgabe entspricht. Und ich musste darauf vertrauen können, dass die Entscheidungen Bestand haben. Bei 56 Möbeln ist Klarheit wichtig. Sonst verliert man sich in Details. 

Dieses Miteinander war gut. Ruhig, verbindlich und getragen vom gemeinsamen Ziel, für dieses Haus die richtigen Möbel zu schaffen. 

Später kam auch eine sehr schöne Rückmeldung der Kunden (#3). Wir wurden eingeladen, das Haus noch einmal zu sehen, als alles seinen Platz gefunden hatte. Das ist für mich nicht nebensächlich. Erst im fertigen Haus zeigt sich, ob die Arbeit wirklich stimmt. 

Erfahrung mit der Schweiz 

Dieser Auftrag war besonders groß, aber Lieferungen in die Schweiz sind für meine Werkstatt kein neues Thema. 

In den vergangenen Jahren habe ich bereits über 80 Möbel in die Schweiz geliefert. Darunter waren einzelne Möbelstücke, größere Aufträge und Arbeiten für Häuser, deren Eigentümer Wert auf handwerkliche Qualität, gutes Holz und dauerhafte Möbel legen. 

Das ist wichtig zu sagen, weil die Schweiz für viele Handwerksbetriebe in Deuschland wie eine Hürde wirkt. Grenze, Zoll, Transport, Einfuhr. Ja, das muss geklärt werden. Aber es ist machbar, wenn man es sauber vorbereitet. Ohne Romana wäre dieser Auftrag so nicht möglich gewesen. Sie hat alle Stühle geflochten und einen großen Teil der Büroarbeit getragen.

Für mich bleibt entscheidend: Das Möbel muss stimmen. Und das Miteinander auch. Dann lässt sich der Weg klären. Wer ein einzelnes Shaker-Möbel oder mehrere freistehende Möbel für ein Haus in der Schweiz sucht, muss also nicht bei null anfangen. Die Erfahrung mit Transport, Verpackung und Verzollung ist vorhanden. 

Möbel für Generationen 

Ein altes Holzhaus ist kein Ort für schnelle Möbel. Es hat schon viel Zeit hinter sich und soll weiter bestehen. Möbel, die dort hineinkommen, sollten diesen Gedanken nicht verraten. 

Sie müssen nicht alt sein oder rustikal aussehen.  

Sie sollten gut gemacht sein. 

Für mich war dieser Auftrag deshalb mehr als eine große Lieferung. Er war ein Beispiel dafür, was möglich ist, wenn ein altes Haus, sorgfältige Bauherren und der passende Handwerker zusammenfinden. 

 

Was hat der Kunde gesagt?

Peter und Romana Seeland ermöglichten uns, unser denkmalgeschütztes Haus in den Schweizer Alpen ganz mit den kaum noch erhältlichen Shakermöbeln auszustatten. Diese sind schlicht und formschön und bilden mit den modernen Elementen des renovierten Hauses ein harmonisches Ganzes. Selbst unser einheimischer Schreiner war von seiner Handwerkskunst und der Qualität der der Arbeit begeistert.  Urs und Lisbeth B. aus Kippel  

 

 

Mehr über meine Arbeit für Schweizer Kunden: Shaker-Möbel für die Schweiz