Pencilpost bed

 

1992 stand ich in Enfield/NH in der Werkstatt von Dana Robes. 

Dort sah ich zum ersten Mal ein Pencil-Post-Bett. Vier hohe Pfosten, schlank und nach oben verjüngt. Oben eine umlaufende Reling. Ein geschwungenes Kopfteil. Alles aus Kirschbaum. 

Ich weiß noch, dass ich davorstand  

und es mich sehr stark berührte - ein ganz besonderes Bett. 

Es war auch kein schweres Himmelbett, wie man es aus alten Schlössern oder Hotels kennt. Kein Bett mit viel Stoff, Quasten und Theater. Aber schlicht im Sinne von „nur zweckmäßig“ war es auch nicht. Dafür war es zu besonders. 

Es hatte eine bestimmte Haltung, die zum Ambiente passte. 

Die vier Pfosten und die obere Reling zeichneten einen zweiten Raum Einen Raum im Raum. Man liegt darin nicht eingeschlossen, aber gefasst. Geborgen. Auch ohne Schleier. 

Damals konnte ich das zuerst nur sehen. 

Später wusste ich es auch. 

Ich habe selbst jahrelang in einem solchen Pencil-Post-Bett geschlafen, das ich auch für uns gebaut hatte. Mit einem guten Bettsystem darunter waren wir glücklich darin. Deshalb rede ich über diese Geborgenheit nicht aus der Vorstellung heraus. Ich kenne sie. 

Man liegt nicht einfach auf einer Matratze in einem Zimmer. Die vier Pfosten und die obere Reling geben dem Schlafplatz eine eigene Grenze. Nicht eng. Nicht irgendwie abgeschlossen. Wie gesagt: eher geborgen. Das ist schwer zu erklären, wenn man es nicht erlebt hat.  

 

Vielleicht hat mich das Bett deshalb nie losgelassen. 

Ich habe solche Betten selbst gebaut. Zuerst als Prototyp für unsere Ausstellung. Kunden sahen es, fragten danach, und dann wurde es mehrfach bestellt. Oft nicht sofort. Solche Möbel brauchen manchmal etwas Zeit. Man sieht sie, ist so etwas hier nicht gewohnt, denkt noch einmal daran. Und dann weiß man: Genau das ist es. 

 

Das Pencil-Post-Bett ist schon besonders. Es ist schlank, klassisch und fast luxuriös, aber nicht prunkvoll. Diese Unterscheidung ist mir wichtig. Prunk will gesehen werden.

Dieses Bett ist eher ein intimes “Liebesnest” mit grosser Offenheit.

 

Die an den Enden hochgezogenen Bettseiten sind zwischen den Pfosten verschraubt. Das Kopfteil ist oben leicht geschwungen. Es gibt dem Bett Abschluss am Kopf, ohne weichlich zu sein. Oben verbindet die umlaufende Reling die vier Pfosten. Sie ist nicht nur Zierde. Sie macht aus dem Bett diesen eigenen geschützten Bereich. 

Die Pfosten enden in handgedrechselten Abschlüssen. Fast amphorenartig. Klassisch. Sie geben dem Bett oben eine Würde, ohne es schwer zu machen. 

So etwas baut man nicht auf Vorrat. 

Dieses Bett entsteht nur nach Auftrag. Dafür ist es zu eigen. Es braucht einen Raum, ein Maß, ein Gespräch. Und es braucht jemanden, der nicht einfach irgendein Bett sucht, sondern ein Möbel, das im Schlafzimmer wirklich eine Mitte bildet. 

 

 

Auch beim Holz sind wir nicht beliebig. 

Für mich gehört dieses Bett aus amerikanischem Kirschbaum gebaut. Kirschbaum hat diese Wärme, diese Tiefe und diese feine Zurückhaltung. 

Am Anfang ist amerikanischer Kirschbaum noch heller. Mit dem Licht dunkelt er nach und bekommt diesen ruhigen, rötlich-braunen Ton. Ein Holz, das nicht sofort alles zeigt. Es braucht Zeit. Und genau das passt zu diesem Bett. 

Nussbaum wäre möglich. Dann bekommt das Bett eine andere Schwere und eine andere Wertigkeit. Schön, gewiss. Aber es ist nicht mehr dieselbe Aussage. 

Konstruktiv ist das Bett zerlegbar. Das muss ja so sein. Die Bettseiten werden über die Pfosten stabil verbunden. Kopf- und Fußteil werden eingehängt, ebenso das obere Kopfteil. Ein Doppelbett bekommt selbstverständlich einen Mittelsteg mit 2 Stützbeinen, damit die Lattenroste sicher aufliegen. 

Als Innenmass empfehle ich 180 x 200 cm. Zwei Matratzen, zwei Lattenroste, ein klares Standardmaß.  

Zur Oberfläche gehört für mich ein schadstofffreier Schutz mit Möbelwachsöl. Das Holz soll spürbar bleiben. Und das ist gerade dort wichtig, wo man sich regenerieren will. 

 

Zu diesem Bett passen schlanke Nachttische. Etwas höher gebaut, mit einer Schublade, auf verjüngten Beinen. Auch eine Bettbank könnte passend dazugehören. Für Quilts, zusätzliche Decken oder Kleidung. Oder einfach zum Sitzen beim Ankleiden. 

Ein Schweizer Kunde wünschte sich einmal Schubladen aus Zirbe aus den Höhenlagen der Alpen. Weil dieses Holz so schön duftet und ihn an etwas erinnerte. Natürlich habe ich das gemacht. Solche Wünsche sind nicht Nebensache. Sie zeigen, dass ein Möbel nicht nur in einen Raum gehört, sondern auch in ein Leben. 

 

Ein historisches Shaker-Doppelbett ist dieses Pencil-Post-Bett natürlich nicht. Die Shaker lebten zölibatär. Doppelbetten gehörten nicht zu ihrer Welt. Aber die Haltung, aus der dieses Bett gebaut ist, steht dieser Möbelkultur nahe: bestes Holz, klare Konstruktion, gute Proportionen, kein unnötiger Zierrat. 

Nur doch kommt hier noch etwas dazu. 

Die besondere Schlankheit. Eine fast feierliche Ruhe.

Ein Himmel, der nicht aus Stoff besteht, sondern aus Linien und einer Geborgenheit, die man braucht.

 

Ein Bett wie ein Raum im Raum.