Sie wissen ja, dass ich mich schon seit vielen Jahren mit dem Shaker-Design beschäftige – aus beruflicher Spezialisierung und persönlicher Begeisterung. Alles, was wir über die Shaker gelernt haben, haben wir erkundet, gesehen, begutachtet und gebaut.
In mittlerweile 34 Jahren hat sich dabei ein großes Erfahrungswissen angesammelt. Der Nachbau forderte heraus – fachlich, gestalterisch, auch in jeglicher persönlicher Einstellung.

Vom Nachbauen zum Verstehen
Immer wieder stellte sich mir die Frage: Warum haben die Shaker es gerade so gemacht?
Ich kannte es oft anders – aber genau dieses „Ach so!“ war der Moment, in dem ich begann,Shaker-Design immer besser zu verstehen.
Selbst für einen Tischler ist das nicht so einfach, denn die Shaker-Denke zwingt dazu, eingefahrene Gewohnheiten zu hinterfragen. Ich bin froh, von jeher schon so experimentierfreudig zu sein.
Heute gibt es nur noch zwei Shaker, und sie bauen keine Möbel mehr. Seit den 1960er Jahren ist dieses Kapitel des Möbelbaus bei den Shakern beendet.
Es bleibt das reiche Repertoire ihrer geschaffenen, musealen Stücke – und die Frage: Kann es nicht irgendwie weitergehen?
Zwischen Tradition und Neugier
Stillstand war noch nie meins. Immer das Gleiche zu machen, langweilt mich schnell.
Da ist Romana, meine Frau, ganz anders gestrickt. Sie konnte beim Bau der Shaker Ovalboxes kaum gebremst werden, verlor sich stundenlang in den vielen Boxen und Handgriffen – unermüdlich, fokussiert, hingebungsvoll.
Ich dagegen lasse meinen ruhelosen Verstand einfach machen, was ihm einfällt – ob das immer vernünftig ist, sei erst mal dahingestellt. Wenn es erst gemacht ist, kann ich es anfassen und prüfen.
Der Beginn: vom Eckigen ins Runde
Es begann beim Shaker worktable. Beim Tischbein musste ich vom Eckigen oben ins Runde übergehen – ein Übergang, der viel Aufmerksamkeit erfordert.
Die Zarge unter der Tischplatte hat gerade Anschlüsse zu den Tischbeinen, die sich danach mit einem Absatz nach unten hin rund verjüngen.
Ich dachte mir: Warum nicht gleich so?
Die noch einfachere Form war der durchlaufende Kegel – von oben nach unten rund, bis zu den Rädern.
Gedacht, getan – und so entstand ein Tisch, den ich später öfter gebaut und verkauft habe.
Die Freude an der Abweichung
Die asymmetrische Anordnung von Schubladen hat mich schon immer begeistert. Wenige haben das im Möbelbau gemacht – es macht schließlich mehr Arbeit, wenn nicht alle Schübe gleich groß sind. (Vielleicht auch manchen Kunden suspekt?)
Aufteilung, Zinken, Organisation – all das fordert mehr Arbeit und Augenmaß, widerspricht der Rationalisierung, aber eröffnet neue gestalterische Freiheit.
Auch bei den Shakerleisten, die ich von Anfang an angeboten habe – sogar über den Versandhandel wie Manufactum –, blieb die innere “Unruhe” nicht stehen. Für Kunden, die etwas Moderneres suchten, habe ich neue Formen entworfen.
Die meisten Kunden fühlten sich aber beim Original sicherer– nicht, dass sie auf Originalmaße bestanden - jeder musste seine Wünsche erfüllt haben. Das Verhältnis war vielleicht zehn zu zwei – doch ich habe auch bei meiner "Shaker-Line" immer weitergemacht.
Vergleichen Sie die Bildpaare in den folgenden Galerien und bilden sich die eigene Meinung...
Der Doppelkeil – archaisch und eigen
Am Ende bin ich u.a. auch beim Doppelkeil hängen geblieben.
Er ermöglichte mir, einfach zu bleiben und trotzdem Eigenes hinzuzufügen.
Das ist für mich das Spannende: zu sehen, wie andere auf meine Ideen reagieren – und ob sie bereit sind, etwas dafür zu bezahlen. Denn die Wahrheit zeigt sich immer an der Kasse.
Das ist hart, aber ehrlich – die wirkliche Probe jeder neuen Kreation.
Heute
Heute bin ich nicht mehr so erfolgs-erpicht. Ich mache Angebote. Und genieße den Weg.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mag die Originale! - als auch mein Weiterdenken und -machen.
Die Freude, morgens in die Werkstatt zu gehen, Holz zu nehmen und ein neues Produkt zu erschaffen, ist das, was für mich zählt.
Ob es gut oder schlecht ist, zeigt sich später – aber im Moment der Fertigstellung am Abend bin ich glücklich.














































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Brigitte Blaschek (Sonntag, 19 April 2026 08:07)
Guten Morgen,
einfach wunder ~ schön �
ich liebe das klare,nützliche, keine Verschwendung....
Dankeschön fürs teilen, es tut der Seele gut, sie zu kennen & zu spüren, dass bewährte bleibt!
einen friedlichen Tag, Brigitte �